openBI: Informationspräsentation mit sparklines
2. Februar 2009 um 10:34 nachmittags | Veröffentlicht in BI, Visualisierung | 6 KommentareSchlagwörter: Sparklines
Sparklines sind ein Visualisierungkonzept, das von Edward Tufte erdacht wurde. Dieser Beitrag beschreibt die Idee hinter den sparklines und zeigt eine Anwendungsmöglichkeit im betrieblichen Berichtswesen: ein “One-Pager” für das Managementreporting.
Was sind “Sparklines”? Wörtlich übersetzt: funkelnde Linien! Schöne Übersetzung, sind Sparklines für mich doch die “Diamanten der Visualisierung”, aber “leider” passt der deutsche technische Begriff “Wortgrafik” fachlich besser.
Was nutzen mir sparklines? Die deutsche Wikipedia bringt es sauber auf den Punkt: “In der Form eines stark miniaturisierten (Zeitreihen-) Diagramms zeigen Sparklines die historische Entwicklung eines numerischen Wertes und geben ihm so den Kontext, der für seine Interpretation wichtig ist.” Eine sparkline ermöglich damit eine stark verdichtete Präsentation von Informationen.
Ein Beispiel? Hier die Entwicklung des Glucosespiegels eines Patienten im Zeitablauf als Sparkline: ![]()
Der aktuelle Glucosespiegel wird durch den roten Punkt repräsentiert, aber auch in rot als Zahl angegeben. Die Vergangenheitswerte werden als sehr kleine Zeitreihe, die in jeden Textfluss passt, abgebildet. Durch den grauen Normalbereich in Verbindung mit dem roten Endpunkt wird dem Auge ein Anhaltspunkt zur Einordnung Glucosewerte über die Zeit gegeben, der durch eine optionale Angabe von Minimum und Maximum noch erhöht werden kann.
Diese sparkline ist das Einführungsbeispiel zu Sparklines ihres Erfinders: Edward R. Tufte, ein ehemaliger Professor der Yale University. In seinem Buch “Beautiful Evidence” – Graphics Press, Juli 2006 – beschreibt er ab S. 48 ausführlich das Sparkline-Konzept. Ich empfehle jedem wenigstens die erste Seite dieses Buches zu Sparklines zu lesen. Selbst für den ungeübten Englischleser eine einfache und inspirierende Abhandlung zu Sparklines.
Die besondere Stärke von Sparklines ist jedoch die bereits erwähnte Verdichtung von Informationen. Durch diese wird es möglich sehr viel Informationen auf wenig Raum abzubilden, was das Auge und auch das menschliche Gehirn erstaunlicherweise locker mitmachen. Die Wortgrafiken können wie Text gelesen werden. Der Clou? Statt durch viele Seiten einer Krankenakte oder die ausgedruckten Powerpointfolien des betrieblichen Berichtswesens zu blättern, können Sparklines direkt miteinander verglichen und schnell entsprechende Schüsse gezogen werden:
Quelle: Edward R. Tufte, Beautiful evidence, Graphics Press, Juli 2006, S. 48
Genau vor diesem Hintergrund bieten sich Sparklines bzw. Wortgrafiken zur Visualisierung von betrieblichen Informationen an. Zum Beispiel in Form eines monatlichen “One-Pagers” wie diesem – realisiert in Excel mit Palo und Sparklines for Excel – beides Open Source Software:
Im ersten Augenblick ist man erschlagen von der Flut an Informationen, die auf einer Seite präsentiert wird. Als ich das erste Mal ein Dashboard auf Basis von Wortgrafiken sah, war mein erster Gedanke “Was bringt das?”. Ganz einfach: Dieses einseitige Dashboard ersetzt geschätzte 10 Seiten monatliches Powerpoint-Reporting!
Mittlerweile bin ich überzeugt, dass Entscheider nach einer Eingewöhnungszeit auf diese Art der Präsentation von Informationen nicht mehr verzichten wollen. Meine Erfahrungen als Berater zeigen mir dies!
Ich empfehle jedoch, ein Dashboard aus Wortgrafiken erst vollständig zu designen und dann produktiv zu nehmen. Ein sich über die Monate ständig veränderndes Erscheinungsbild wird die Akzeptanz der Wortgrafiken erheblich schmählern. Wortgrafiken eignen sich auch nicht zum Einsatz im webreporting: Sie sollten auf Papier verteilt und abgelegt werden. Zum Einen weil die Auflösung auf Papier höher und daher von Entscheidern einfacher zu lesen ist. Aber auch Performancegesichtspunkte sollten nicht unberücksichtig bleiben: Selbst in Verbindung mit einer multidimensionalen Datenbank wie Palo ist die “Time-to-monitor” für das Dashboard relativ lang.
Hier wird deutlich, dass ich den Begriff “Wortgrafik” in einem erweiterten Kontext nutze: Ich verstehe unter Wortgrafiken alle Darstellungsweisen zur Informationsverdichtung im Berichtswesen. Damit sind für mich miniaturisierte Säulengrafiken, gruppierte Kuchendiagramme oder Bullet Graphs auch Wortgrafiken – im Englischen hat sich hierfür der Begriff “Microcharts” etabliert.
PS: Sehr schön auch die “Abrechnung” von Herrn Tufte mit Powerpoint – bzw. dessen Nutzung: Trägt PowerPoint eine Mitschuld am Absturz der Space Shuttle Columbia im Jahr 2003? Ist allerdings etwas schwieriger zu lesen.
Nachtrag vom 04.08.2009:
Die Idee der Visualisierung mit sparklines/Wortgrafiken setzt sich mehr und mehr durch: In Excel 2010 sind sparklines im Standard enthalten – siehe hier! Allerdings recht rudimentär: Nur Linien- und Säulendarstellungen. Da gefällt mir die Open Source Umsetzung von Fabrice Rimlinger – hier – besser, weil sehr viel leistungstärker!
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